future codes - 2006
Organische Formen in durchscheinender Farbintensität (wie ein mikroskopischer Blick auf eine ferne irreale Welt ) treffen auf harte lineare Fragmente. Sie erinnern entfernt an landschaftliche und architektonische Elemente und bilden eigene Tiefen und Perspektiven.
Eben nur Fragmente, wie Erinnerungen an die Zukunft, in einer zerstörten Welt in der die Natur wieder die Oberhand gewinnt
und die Fossilien der Zivilisation mit ihrer leuchtenden Farbigkeit und wunderbarsten, nicht nachzuahmender Formensprache überwuchert...
Berstende Berge, in ihnen entsteht neues Leben ? Zeichen früherer Kulturen als Stahlskelette oder kristalline Gebilde ?
Grüne Sonnestrahlen oder Wasser ? Gelbe Berge oder riesige Quallen ?
Untergegangene Schiffe als Skulpturen der Vergangenheit ? Der Betrachter wird auch seine eigene Interpretation finden. KW
“Aloha heißt auch Lebewohl” - 2005
Unter oder über dem Wasser ? Berstende Berge, in ihnen entsteht neues Leben?
Fragmente der Menschheit stürzen in sich zusammen und hinterlassen nur ein paar Linien...
Zeichnungen früherer Kulturen bleiben als Fossilien oder kristalline Gebilde.Die Strukturen der Bäume vermischen sich mit den Resten menschlicher Anwesenheit.
Untergehende Schiffe als Skulpturen.
Die wunderbaren Formen der Kleinstlebewesen werden zu riesigen Gebäuden der Vergangenheit und strozen der Zukunft entgegen.
Es sind die vollkommensten architektonischen Wunderwerke . KW
Die Kunstreihe - 2002 - Volksbank Karlsruhe – Meisterschüler der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Während Röser ein gleichsam universalkünstlerisches Prinzip verfolgt und sich für die ganze Welt interessiert, widmet sich Klaudia Wiener dem Kleinen und Kleinsten. Sie kultiviert einen mikroskopischen Blick auf die Natur, der in großformatige Malerei umgesetzt wird. Im Gegensatz zur Malerei entstehen die Zeichnungen, wie auch Skulpturen und Rauminstallationen auf einem langsamen Weg nach innen,
der im Abschreiten eines künstlerischen Weges irgendwann am fertigen Bild ankommt.
Paradoxerweise ist das intime Format der Zeichnung der Ort, an dem über Jahre hinweg ein Bild entsteht, während die großen Bilder spontanes Produkt weniger Stunden sind. Wie einst Ernst Häckel richtet KW ihren Blick auf winzige Lebensformen.
Aber wo dieser vor über 100 Jahren die Weltgesetze entdecken wollte, da findet sie formale Anregungen.
Sanft geschwungene Linienpaare treffen auf fast vibrierende Farbringe, sonnengleiche Kreisformen und korallige Fadengebilde lassen Meereslebewesen assoziieren.
Immer strahlen die Farben in einer ursprünglich erscheinenden Klarheit und Reinheit, die auf die Hoffnung der Künstlerin verweisen, dass ihr Blick auf die Natur auch unsere Sensibilität befördert.
Reto Krüger
Schloß Bruchsal, 2001,
aus dem Katalog der Meisterschüler
Und sie sprachen miteinander in der Art der Sehenden,
in dramatischen Worten, die leuchtend
in donnernder Majestät ihrer Zungen entsprangen,
in Visionen,
in neuen, sich ausdehnenden Räumen, Beispiele des Gedächnisses und des Geistes hervorrufend,
schaffend den Raum, schaffend die Zeit,
gemäß den göttlichen Wundern
menschlicher Imagination...
William Blake
Dr. Chris Gerbing, Januar 2000
In den vergangenen Jahren entstanden überwiegend kristalline Bilder, die an atomare Elemente denken lassen oder an jene Strukturen erinnern,
die beim Blick durch ein Kaleidoskop entstehen. Die Feinheit und Fragilität der Kristalle – so auch der Titel der Werke, die Klaudia Wiener bei der Akademieausstellung 1999/2000 präsentierte – wird dadurch noch verstärkt, dass sie in Aquarell bzw. Buntstiften gemalt sind. Diese kleinformatigen Arbeiten sind in leuchtenden, in allen Spektren changiereneden Farben gehalten. Das christlich vorbelegte Symbol des Kreuzes hat sich, wie sie selbst sagt, dabei unbewußt eingeschlichen und ist durch die Achsensymmetrie der Kristalle stets evident. In einigen Werken betont sie die Achsialität durch starkfarbige Balken, denen sie allerdings keine übermäßige Symbolik zubilligt, wohl wissend, daß es im christlichen Kontext für das Sterben Christi und die Überwindung des Todes steht.
Wie auch die parallel dazu entstandenen Bergbilder sind die Arbeiten der Kristallinen Strukturen als Serien zu lesen, die ein wandfüllendes Format über die modulare Hängung erfahren.
Beeinflußt wurde Klaudia Wiener diesbezüglich von Silvia Bächli, die in Ausstellungen mit zarten, kleinformatigen Werken in die Öffentlichkeit tritt, die in scheinbar willkürlicher Anordung ein Muster an die Wand zeichnen. Dieses Prinzip machte sich Klaudia Wiener gerade für die Bergbilder zu eigen, deren Landschaften nicht nur auf dem jeweiligen Papier bzw. der Leinwand, sondern auch durch die Aneinander-Hängung entstehen.
Wichtig für den Entstehungsprozeß dieser Bergbilder war eine Reise in die Provence, deren spezielle Lichtverhälnisse und Farbigkeit auch KW faszinierte und zur Vielfarbigkeit der Hügel anregte. Entsprechend prägen kräftig leuchtende Farben diese Werke.
Die Akademieausstelungen nutzte KW bisher um neben der Präsentation der Kunstwerke der vergangenen Jahre auch mit der Möglichkeit der Interaktion zwischen Betrachter und Kunstwerk zu experimentieren. Beispielsweise versperren optisch wie räumlich auf dem Boden zu kristalliner Struktur angeordnete Murmeln und Süßigkeiten den Weg zu filigranen, direkt auf die Wand gemalten Kristallen. Damit soll der Betrachter zum bewußten Umgang mit Kunst angeregt werden. Gleichzeitig fordert die Präsentationsweise dazu auf, mit Kunst natürlich und neugierig umzugehen und sich den Objekten auf die ihnen angemessene Distanz zu nähern. Insgesamt ist der Entstehungsprozeß für KW ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit, der zugleich eine meditative Komponente durch die serienhafte Produktion und das ihnen innewohnende modulare Prinzip hat. Diese Entstehungsweise „Durch Meditation zum Kunstwerk“ plant KW demnächst in einem zunächst weißen, leeren Raum umzusetzen: ihn auf sich wirken zu lassen, mit ihm arbeiten und ihn damit nach und nach bearbeiten, um zu einem meditativen Kunstraum zu gelangen. Die Dokumentation dieses Entstehungsprozesses wäre Teil der künstlerischen Arbeit.